Jahresrückblick 2025

Ich fühle mich zu müde, um so richtig über das vergangene Jahr nachzudenken. Mein Energiepegel ist seit Weihnachten irgendwo im mehrstelligen Minusbereich, und es fällt mir schwer, selbst das bare Minimum dessen zu schaffen, was ich noch bis zum Jahresende erledigen wollte.
Gleichzeitig überlege ich, wie zeitgemäß diese Form des Jahresrückblickes noch ist. Viele Fragen sind halt einfach nicht meine. Zwar habe ich in den letzten 19(!) Jahren immer mal wieder welche herausgestrichen oder ersetzt, aber trotzdem empfinde ich noch immer vieles davon als total uninteressant. Es ist sowas von egal, ob meine Haare länger oder kürzer sind. Es sind meine Haare – und die sind jetzt seit rund 30 Jahren relativ gleichbleibend lang und variieren auch nicht im Schnitt und nur seltenst minimal in der Farbe. Sofern sie mir nicht irgendwann vollständig ausfallen, werden sie wohl einfach nur dünner werden oder vielleicht ein schönes Grau bekommen, das ich nicht überfärben will … abgesehen davon wird sich da nicht viel ändern. Ich bin halt ich. Und dieses Ich steht nicht auf Veränderung.

Da ich am liebsten immer das Gleiche esse, habe ich selten was zum „leckersten Essen“ beizutragen und „Das beste Konzert des Jahres“ müsste wohl in „Das beste Konzert des Jahrzehnts“ verändert werden, da mir zu wenige Events wichtig genug sind, um dafür Wege und Menschenmassen in Kauf zu nehmen. Persönliche Worte oder Geschenke anderer mag ich nicht mit jedem teilen, und zu wissen, ob ich mehr oder weniger Geld ausgegeben habe, hat für niemanden als mich und meine Familie irgendeinen Mehrwert.

Also kremple ich diese Liste jetzt um:

Persönliches 2025


Das Jahr auf einer Skala von 1 bis 10:
6? – Ich glaube, ich muss ein bisschen gnädiger in meiner Wertung sein als in den letzten Jahren. Auch wenn es der Welt nicht gut geht, kann ich mich selbst nicht beklagen …

Die Welt in diesem Jahr:
Wir müssen vermutlich nicht drüber reden. Statt besser zu werden, wird es schlimmer. Faschisten und Populisten scheinen überall auf der Welt auf dem Vormarsch zu sein. Wer Macht hat, nutzt sie, um nach unten zu treten. Statt Reichtum adäquat zu besteuern, werden Sozialleistungen und strukturelle Errungenschaften für die Allgemeinheit gekürzt. Die Welt und das Klima werden weiter vernachlässigt. KI eskaliert vollkommen und kotzt ihre generische Scheiße in alle Ecken des Internets, sodass man ihr kaum noch entkommen kann.
All das macht mich einfach unfassbar wütend und gleichzeitig fühle ich mich hilflos. Wenn gewisse Politiker sich selbst bei uns nicht an geltendes Recht (von Moral ganz zu schweigen) halten und es dafür keinerlei Konsequenzen zu geben scheint … ich meine … wtF? Wo leben wir denn bitte?!?
Tiiief einatmen, Mi …

Meine Welt in diesem Jahr:
Abgesehen von meiner Wut auf weite Teile der Menschheit, geht es mir persönlich tatsächlich irgendwie besser. Nicht mega-super-jippieh-gut, aber … alles stabilisiert sich ein bisschen? Und daher möchte ich das würdigen, auch wenn noch immer vieles nicht so läuft, wie ich es gerne hätte. Wenn mein Energiepegel irgendwo im Nirvana herumdümpelt und viel zu oft „das Leben“ und der Alltag meine persönlichen To-Do-Listen zerschießen …
Ich bin dankbar für meine Familie. Meinen allerbesten Mann, meinen wunderbaren Sohn, meine großartigen Eltern, den flauschigsten Wauz. Das Privileg, im Grünen zu leben, mich oft von Dingen fernhalten zu können, die mir nicht gut tun. Eine beste Freundin zu haben, die an meiner Seite ist, wenn ich sie brauche, aber auch versteht, wenn ich keine Kraft und Energie für intensiven Kontakt übrig habe.

Mein Schreibjahr:
Anders, aber nicht schlecht. Meine Lektorinnen-Suche ist erstmal abgeschlossen. Ich habe jemanden gefunden, mit der ich es versuchen möchte. Wir sehen dann im nächsten Jahr, wie das wird.
Mit FoT bin ich leider nicht wirklich weiter gekommen. Die Probelektorate haben viel Zeit (und Energie) gefressen und dann kam wie immer alles ganz anders. Gleichzeitig bin ich glaube ich auch einfach etwas frustriert, weil es so scheint, als gäbe es keinen Markt für eine Geschichte wie meine – zumindest nicht in oder aus Deutschland. Gesellschaftskritische und langsam erzählte High-Fantasy wird scheinbar nur aus dem Ausland eingekauft. Naja.
Dafür habe ich eine sehr nette Absage einer Agentur bekommen. Auch wenn sie FoT nicht wollten, mochten sie mein Schreiben sehr und freuen sich auf ein anders Projekt. Das ist ja schonmal was. Vielleicht sollte ich „Das Böse in Dir“ Prequel fertigstellen. Da ist vielleicht der Romance-Anteil hoch genug. Aber an sowas habe ich halt einfach zu wenig Spaß …

Ansonsten habe ich durch das handschriftliche Schreiben wirklich, wirklich viel geschrieben. 5 Kurzgeschichten sind fertig, auch wenn eine davon am Ende zu einer Novelle mutiert ist, der jetzt quasi noch die zweite Hälfte fehlt. Aber darum kümmere ich mich im nächsten Jahr.
Eine Kurzgeschichte habe ich bei einer Ausschreibung eingereicht und sie wurde angenommen. Sie erscheint im Januar in einer Literaturzeitschrift. Sobald sie da ist, erfahrt Ihr es. ^^
Eine weitere Ausschreibung, bei der ich etwas einreichen wollte, endet heute, doch dafür müsste ich die entsprechende Geschichte noch um 2000 Zeichen kürzen. Ich denke nicht, dass ich mich daran versuchen werde. Jetzt auf den letzten Metern noch daran herumzuschrauben, bringt auch nichts. Die Geschichte darf auch einfach in der Schublade auf eine andere Gelegenheit warten.

Wirklich schön ist, dass ich jemanden gefunden habe, mit dem ich mich ab und an zum gemeinsamen Schreiben treffen kann. Ich hoffe, dass wir das beibehalten können. Passend dazu treibt mich ja noch eine andere Idee um … aber da fehlt mir noch der Mut. Mal sehen, vielleicht finde ich ihn im nächsten Jahr.

Ein besonderes Event?
Wir waren seit langem mal wieder im Familienurlaub und der war wirklich sehr schön. ♥ Zwar brauche ich danach auch immer Urlaub vom Urlaub, also, vor allem von der Orga und der An- und Abreise, aber trotzdem war es schön und wichtig, mal wieder „raus“ zu kommen, das Meer zu sehen und den Wind im Gesicht zu spüren.
Außerdem haben meine Eltern ihre Goldene Hochzeit gefeiert, bei der auch (räumlich) entfernte Verwandte dabei waren. Obwohl Events mit vielen Leuten ja nicht so meins sind – es war schön, sie alle zu sehen! Ich merke immer wieder, was wir eigentlich für eine nette Familie haben, und denke jedes Mal, wie schade es ist, dass man sich so selten sieht. Trotzdem fällt es mir schwer, daran etwas zu ändern …

Was habe ich Neues begonnen?
Ich habe wieder angefangen mit der Hand zu schreiben – und liebe es. Seit Juli habe ich zwei Notizbücher mit kreativen Texten gefüllt und bin wirklich stolz, das geschafft zu haben. Ich möchte das unbedingt beibehalten. Das gleiche gilt für die Schreibstunden mit meiner Schreib-Buddyline. ^^
Seit März führe ich einen digitalen Kalender, der mir hilft, nicht nur zu sehen, was ich noch machen möchte, sondern mir auch zeigt, was ich alles gemacht habe. Sehr nützlich, wenn einen mal wieder das Gefühl überkommt, nichts getan zu haben … Auch den Kalender möchte ich beibehalten – oder ihn auch in die Papierform zurück verlagern.
Außerdem hatte ich das Glück einen Platz in einer Gruppentherapie für spätdiagnostizierte Frauen mit ADHS zu bekommen. Auch wenn ich anfangs Bedenken bezüglich einer Gruppe hatte, musste ich feststellen, dass dieser Rahmen sehr angenehm ist. Es ist schön, Menschen um sich zu haben, die die eigene Denkweise nachvollziehen können und die mit ähnlichen Dingen strugglen. Mir tut diese Form der Gemeinschaft wirklich gut, und ich hoffe, dass ich noch weiter daran teilhaben darf.

Gab es größere Veränderungen?
Ich glaube nicht. Vielleicht abgesehen von der Tatsache, dass ich jetzt wieder eine Brille mit Sehstärke trage. Lesen ist ohne echt nicht mehr drin. Verdammt. :D

Ich bin in diesem Jahr dankbar für:
Neben all den bereits genannten Dingen: meine Gesundheit.

Ein paar Best-ofs 2025:


Das beste Buch:
An Rändern von Angelo Tijssens

Serien und Co.
Am meisten überrascht hat mich „Ted Lasso“. Hätte ich ohne Tipp von Außen wohl kaum angesehen, aber es ist so eine unfassbar positive Wohlfühl-Serie! Ganz wunderbar!
Ebenfalls sehr begeistert haben mich Severance, Foundation, Shogun & Andor.
Wohlfühl-Animes: Blue Box, Secrets of the Silent Witch, Touring after the Apocalypse, The Dangers in my Heart, Campfire Cooking in Another World with My Absurd Skill.
Und natürlich war auch Solo leveling cool. ^^

Ein Lied, dass mich in diesem Jahr oft begleitet hat:
Husavik – Molly Sandén

Mein Spiel des Jahres:
Auch wenn ich es (noch) nicht beendet habe: Clair Obscur: Expedition 33. Ich habe (nehme mir?) zu wenig Zeit zum spielen. Aber hier stimmt einfach alles. Die Geschichte, die Optik, die Musik, das Gameplay. Ich hatte (Habe) damit unfassbar viel Spaß!
Auch das FFT-Remaster Final Fantasy Tactics: The Ivalice Chronicles hat mich wieder sehr begeistert. ^_^

Zum Vergleich: Der Rückblick des vorigen Jahres:
Jahres-Rückblicks-Stöckchen 2024

So. Irgendwie fühlt sich das für mich runder an. Mal schauen, was im nächsten Jahr davon übrigbleibt.
Das war jedenfalls mein 2025 – zumindest ein Teil davon.
Kommt heute gut ins neue Jahr! Bleibt gesund und – Danke, dass Ihr mich auch in diesem Jahr begleitet habt!

Schreibe einen Kommentar